Die jüngsten Eingriffe in Forschungsförderung und Hochschulorganisation in den USA haben Fragen der Wissenschaftsfreiheit mit neuer Dringlichkeit auf die öffentliche Agenda gesetzt. Suspendierte Forschungsprojekte, politische Vorgaben für Universitäten und Eingriffe in institutionelle Autonomie zeigen, wie verletzlich selbst hochentwickelte Systeme wissenschaftlicher Selbstverwaltung werden können – insbesondere dann, wenn ihre Finanzierungsstrukturen politisch konditionierbar sind.
Diese Entwicklungen sind keine nordamerikanischen Kuriositäten. Wissenschaftliche Wissensproduktion erfolgt heute in globaler Interdependenz; zugleich finden zentrale hochschul- und wissenschaftspolitische Konfliktlinien – etwa um Diversität, Identitätspolitik, Expertenkulturen oder institutionelle Autorität – längst auch in Europa Resonanz. Hinzu treten grundlegende Fragen nach dem Verhältnis von epistemischer und politischer Macht, von Wissenschaftsfreiheit und Meinungsfreiheit, von normativer Orientierung und wissenschaftlicher Neutralität sowie nach den Grenzen zwischen Forschung und politischem Aktivismus.
Vor diesem Hintergrund bedarf es einer vertieften Reflexion der normativen, institutionellen und politischen Voraussetzungen wissenschaftlicher Freiheit. Zwar existieren im deutschsprachigen Raum einschlägige Debatten und Forschungszusammenhänge, insbesondere in Rechtswissenschaft und Philosophie; charakteristisch ist bislang jedoch eine geringe interdisziplinäre Verzahnung. Auch die wissenschaftsnahe Wissenschaftspolitik bleibt häufig eigentümlich davon getrennt.
Die Tagung soll unterschiedliche disziplinäre Perspektiven zusammenführen und einen Raum für gemeinsame Reflexion über Gegenwart und Zukunft der Wissenschaftsfreiheit eröffnen.
Teil der Veranstaltung ist ein öffentliches Podium (28. Mai), das von Michael Mair (Deutschlandfunk Kultur) moderiert und im Livestream übertragen wird.
Programm:
Mittwoch, 27. Mai
18:00 Uhr
Registrierung
19:00 Uhr
Begrüßung
Dinner & Dinner Speech
Casper Hirschi
21:30 Uhr Ende 1. Tag
Donnerstag, 28. Mai
08:30 Uhr Registrierung
09:15 Uhr – 10:45 Uhr Funktionen/Zwecke/Rechtfertigungen der Wissenschaftsfreiheit
Sabine Döring
Klaus Ferdinand Gärditz
Chair: Georg Schütte
10:45 Uhr – 11:15 Uhr Kaffeepause
11:15 Uhr – 12:45 Uhr Wissenschaft und Moral im Prisma der Wissenschaftsfreiheit
Peter Strohschneider
Tim Henning
Chair: Jens Martin Gurr
12:45 Uhr – 14:30 Uhr Mittagessen
14:30 Uhr – 16:00 Uhr Hate speech, Tabus und Wissenschaftsfreiheit
Judith Froese
Christine Bratu
Chair: Julian Krüper
16:00 Uhr – 16:30 Uhr Kaffeepause
16:30 Uhr -18 Uhr Folgen aus der Wissenschaftsfreiheit partizipative Rechte in der
Wissenschaftsorganisation?
Torsten Wilholt
Hans Michael Heinig
Chair: Tobias Rosefeldt
18:00 Uhr – 20:00 Uhr Abendessen
20:00 Uhr Herrenhausen Extra (öffentlicher Abendvortrag)
Wissenschaftsfreiheit unter Druck? Zwischen Trumpismus und
„Cancel Culture“
Susanne Baer
Tobias Dünow
Sascha Spoun
Moderation: Martin Mair
Empfang bei Brezel und Getränk
Freitag, 29. Mai
08:30 Uhr Registrierung
09:00 Uhr – 10:30 Uhr Wissenschaftsfreiheit und Wissenschaftsfinanzierung
Birgitta Wolff
Jörg Niewöhner
Ilyas Saliba
Chair: Manuel Hartung
10:30 Uhr – 11:00 Uhr Kaffeepause
11:00 Uhr – 12:30 Uhr Politische Aktivierung von Wissenschaft von oben und unten – im
Lichte der Wissenschaftsfreiheit
Geert Keil
Alexander Bogner
Uwe Volkmann
Chair: Romy Jaster
12:30 Uhr – 13:00 Uhr Abschlussrunde mit Tagungsbeobachtern
Michael Zürn
Ralf Fücks
13:00 Uhr Kleiner Imbiss
14:00 Uhr Ende der Veranstaltung