Die zunehmende Bedeutung digitaler Räume und von KI für das Leben von Kindern und Jugendlichen wirft dringende ethische, technische und gesellschaftliche Fragen auf. Der Workshop widmet sich dem Digital Well-Being von Kindern aus interdisziplinärer Perspektive. Im Zentrum steht die Frage, unter welchen technischen, sozialen, rechtlichen und pädagogischen Bedingungen digitale Umgebungen zu einem gelingenden Aufwachsen beitragen können. Digital Well-Being wird dabei nicht nur als Abwesenheit digitaler Risiken verstanden, sondern als Zusammenspiel von Schutz, Teilhabe, Befähigung und entwicklungsangemessener Autonomie. Digitale Technologien eröffnen Kindern und Jugendlichen dabei neue Möglichkeiten der Kommunikation, Bildung, Unterhaltung und des Spiels sowie der sozialen Teilhabe. Zugleich entstehen Spannungsfelder im Hinblick auf Privatheit und Sicherheit, z. B. durch algorithmische Empfehlungssysteme, manipulative Designstrukturen oder im Kontext von Cybermobbing, exzessiver Nutzung, digitaler Ungleichheit oder durch den Zugang zu potenziell schädlichen Inhalten und Interaktionen. Auch technische und regulatorische Schutzmaßnahmen wie Altersverifikation – etwa durch KI-gestützte biometrische Verfahren – können in diesem Zusammenhang diskutiert werden. Sie versprechen besseren Schutz für Minderjährige, werfen aber zugleich Fragen nach Datenschutz, Diskriminierung, Zugangsgerechtigkeit, Autonomie und möglichen Einschränkungen von Freiheitsrechten auf. Aktuelle politische und rechtliche Entwicklungen, etwa Altersgrenzen für soziale Medien, machen deutlich, wie umstritten das Verhältnis von Schutz, Teilhabe und wachsender Selbstbestimmung junger Menschen ist. Wachsende Bedeutung erhalten zukünftig daher vor allem Maßnahmen der Bildung und Befähigung. Der Workshop lädt Beiträge aus unterschiedlichen Disziplinen ein, u. a. aus Philosophie, Psychologie, Soziologie, Technik- und Medienwissenschaft, Medizin, Kindheitswissenschaften, Pädagogik sowie Rechts- und Regulierungsforschung. Willkommen sind theoretische, normative, empirische, technische, rechtliche und praxisbezogene Beiträge zu Fragen der digitalen Kindheit. Dazu zählen etwa Analysen zu Plattformregulierung, Designverantwortung, digitalen Schutzsystemen, Teilhabegerechtigkeit, Familien- und Bildungskontexten und Fragen der Medienbildung und -kompetenzen sowie zu Grundbegriffen wie Digital Well-Being, Kindeswohl, Vulnerabilität, Verantwortung und emerging bzw. gradueller Autonomie Ziel des Workshops ist es, Perspektiven auf ein gelingendes digitales Aufwachsen zu entwickeln, zentrale Begriffe zu schärfen und interdisziplinäre Forschungsfragen im Spannungsfeld von digitalem Wohlergehen, Schutz und Autonomie zu identifizieren und interdisziplinär zu vernetzen.
Format:
Der zweitägige Workshop umfasst Keynotes, disziplinäre Inputs sowie interaktive Workshop-Phasen. Er dient zugleich der Vernetzung und Vorbereitung weiterführender Forschungsprojekte (z.B. DFG-Anträge, Publikation). Das Programm geben wir rechtzeitig vor dem Workshop bekannt.
Einreichungen:
Wir bitten um Abstracts (300–500 Wörter) bis zum 15.07.2026 an ingrid.stapf@unituebingen.de oder an a.bagattini@kit.edu
Die Beiträge werden im Rahmen eines Review-Verfahrens ausgewählt. Angestrebt wird eine anschließende gemeinsame Publikation. Für Nachwuchswissenschaftler und Nachwuchswissenschaftlerinnen können ggf. Reisestipendien angeboten werden.